Hades: Warum wir den meistgehassten Gott völlig falsch verstehen

Einleitung

Wenn du an den Gott Hades denkst, was siehst du vor dir? Einen Dämon? Den Teufel der griechischen Antike? Einen feurigen Herrscher der Unterwelt, der Pläne schmiedet, um die Welt der Lebenden ins Chaos zu stürzen?

Dieses Bild ist weitverbreitet, geprägt von unzähligen Filmen, Büchern und Spielen. Und es ist grundlegend falsch.

Denn die Wahrheit ist: Alles, was du über Hades zu wissen glaubst, stammt wahrscheinlich mehr aus Hollywood als aus Hellas. Wir räumen heute mit den größten Mythen auf und zeichnen das Bild eines Gottes, der düster und streng, aber keinesfalls böse war.

Das wahre Reich: Ein Jenseits ohne Feuer und Schwefel

Vergiss die brennende Hölle, wie sie das Christentum beschreibt. Die antike griechische Unterwelt, das Reich des Hades, war kein Ort der generellen Bestrafung, sondern einfach das Jenseits. Ein riesiges, schattenhaftes und nebliges Reich, in das die Seelen aller Sterblichen nach dem Tod gelangten.

Die Geografie der Unterwelt

Durchzogen wurde es von fünf Flüssen, von denen der Fluss Styx der bekannteste ist – die unüberwindbare Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten, über die der Fährmann Charon die Seelen übersetzte.

Die meisten Seelen, die ein unauffälliges Leben geführt hatten, landeten auf den Asphodel-Wiesen. Dies war kein Ort der Qual, sondern ein neutraler, melancholischer Ort des Vergessens. Eine endlose Ebene, auf der die Schatten der Verstorbenen ohne Freude, aber auch ohne Leid umherirrten. Nur die allergrößten Helden, die von den Göttern begünstigt waren, fanden ihren Weg ins Elysion, die Inseln der Seligen.

Die schlimmsten Sünder hingegen, wie Tantalos oder Sisyphos, wurden in den Tartaros verbannt, eine tiefe Schlucht, in der sie ewige Strafen für ihre Verbrechen gegen die Götter verbüßten.
Und über dieses gesamte, riesige Reich herrschte Hades. Aber nicht als sadistischer Kerkermeister, sondern als unbestechlicher und absolut gerechter König. Seine Aufgabe war die Verwaltung, nicht die Folter.

Der wahre König: Ein unparteiischer Verwalter

Hades war einer der drei großen Götterbrüder, Söhne des Kronos und der Rhea. Nachdem sie ihren Vater gestürzt hatten, teilten sie die Welt unter sich auf. Während Zeus den Himmel und Poseidon das Meer bekam, fiel dem Gott Hades durch das Los die Unterwelt zu. Ein Schicksal, das er ohne Murren annahm und, soweit die Mythen berichten, nie infrage stellte.

Ein Charakter im Kontrast

Sein Charakter steht in krassem Gegensatz zu dem seiner olympischen Verwandten. Im Gegensatz zu seinen Brüdern, die sich ständig in die Angelegenheiten der Menschen einmischten, Kriege anzettelten, Städte zerstörten und unzählige Affären hatten, verließ Hades sein Reich so gut wie nie. Er hatte kein Interesse an der Macht auf der Erde oder den Ränkespielen auf dem Olymp.

Sein Name wurde von den Griechen aus Furcht nur selten ausgesprochen; sie nannten ihn lieber „Pluton“, der Reiche, was sich auf die unermesslichen Schätze an Mineralien und Edelmetallen in seinem unterirdischen Reich bezog.

Seine Hauptaufgabe war es, die eherne Ordnung zwischen Leben und Tod aufrechtzuerhalten. Er wachte streng darüber, dass keine Seele sein Reich unerlaubt verließ und kein Lebender es unbefugt betrat. Das machte ihn in den Augen der Menschen furchteinflößend und unerbittlich, aber nicht böse. Seine Gesetze galten für alle gleich, vom König bis zum Bettler. Das machte den Gott Hades zum unparteiischsten aller Götter.

Weitere Gestalten der Unterwelt

Der missverstandene Gott Hades herrschte nicht allein. An seiner Seite standen weitere, ebenso pflichtbewusste und unbestechliche Gestalten, die die Ordnung des Jenseits sicherten:

Charon, der Fährmann: Er war der einzige, der die Seelen über den Fluss Styx bringen konnte. Als Lohn verlangte er eine Münze, einen Obolus, der den Verstorbenen traditionell unter die Zunge gelegt wurde. Wer ohne Münze ankam, war dazu verdammt, hundert Jahre am Ufer umherzuirren.

Kerberos, der Höllenhund: Der dreiköpfige Hund bewachte das Tor zur Unterwelt. Seine Aufgabe war es nicht, die Lebenden zu terrorisieren, sondern die Toten daran zu hindern, in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Er war ein treuer Wächter, kein bösartiges Monster.

Die drei Richter: Minos, Rhadamanthys und Aiakos waren einst sterbliche Könige, die für ihre Weisheit und Gerechtigkeit bekannt waren. Nach ihrem Tod dienten sie Hades als Richter, die über das Schicksal der Seelen entschieden und sie ihrem gerechten Platz in der Unterwelt zuwiesen.

Der „Raub“ der Persephone: Entführung mit Zustimmung?

„Aber was ist mit Persephone?“, wirst du fragen. „Hat er sie nicht brutal entführt?“ Diese Geschichte ist der zentrale Anklagepunkt gegen Hades, aber sie ist weitaus komplexer, als es oft dargestellt wird. Der Mythos um den Gott Hades und Persephone beginnt damit, dass Hades, einsam in seinem Reich, sich in die junge Göttin des Frühlings verliebte. Anstatt sie einfach zu nehmen, bat er seinen Bruder Zeus, den Vater des Mädchens, um ihre Hand.

Zeus, der einen Konflikt mit seinem mächtigen Bruder vermeiden, aber auch Persephones Mutter Demeter nicht verärgern wollte, stimmte heimlich zu. Er gab Hades quasi grünes Licht, warnte aber Persephone und Demeter nicht. Erst mit dieser göttlichen „Erlaubnis“ öffnete Hades die Erde, als Persephone auf einer Wiese Blumen pflückte, und nahm sie mit in sein Reich.

Ja, aus menschlicher Sicht war es eine Entführung. Im göttlichen Machtgefüge der Antike war es jedoch eine arrangierte, wenn auch hinterhältige, Verbindung. Persephone wurde zur Königin der Unterwelt, nicht zur Gefangenen, und herrschte an Hades‘ Seite mit gleichem Ansehen.

Der berühmte Granatapfel, von dem sie aß, band sie durch eine List des Hades für einen Teil des Jahres an die Unterwelt. Dies führte zu einem Kompromiss, der die Jahreszeiten schuf: Wenn Persephone bei Hades war, trauerte ihre Mutter Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, und es herrschte Winter auf der Erde. Ihre Rückkehr auf den Olymp brachte den Frühling.

Fazit: Der missverstandene Verwalter

Vergleichen wir die Götter-Brüder einmal: Zeus war ein notorischer Betrüger und Verführer. Poseidon ein zorniger Gott, der aus Launen ganze Städte im Meer versinken ließ. Ares war ein blutrünstiger Kriegstreiber. All diese Götter brachten aktiv Leid und Chaos über die Menschen.

Hades hingegen tat nichts dergleichen. Er blieb in seinem Reich und erfüllte seine unliebsame, aber notwendige Pflicht. Das einzige „Verbrechen“, das ihm die Menschen vorwarfen, war, dass er sie am Ende ihres Lebens unweigerlich zu sich holte. Er war nicht der Gott des Leidens, sondern der Gott der Endgültigkeit.

Der Gott Hades war also nicht der Teufel der Antike. Er war ein düsterer, zurückgezogener und oft missverstandener Verwalter des unvermeidlichen Schicksals. Ein Gott, der für Ordnung sorgte, wo seine olympischen Verwandten nur Chaos stifteten. Vielleicht war er nicht der sympathischste aller Götter. Aber der böseste? Ganz sicher nicht.

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